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Veränderungen durch Corona – Teil 2

Its Vio, 14.08.2020

Veränderung, Corona, VUCA, Resilienz, Selbstführung und Kultur – Was bleibt, was kommt?

Ein paar Gedanken „to go“

Nachdem wir im ersten Teil auf Covid-19 und die „Change Kurve“ geblickt haben, folgen nun die Fragen: Wie mit diesen Themen umgehen, privat oder im Unternehmen? 
Was bringt Resilienz und Selbstführung in solchen Zeiten, unabhängig ob im Unternehmen oder im privaten? Und was bedeutet das für unsere zukünftige Arbeit?



Hilfreich kann sein, an der eigenen Selbstführung und inneren Widerstandskraft, der Resilienz, zu arbeiten. Im privaten oder auch im beruflichen Umfeld. 
Wichtig ist, die Bedeutung der beiden Begriffe zu kennen und richtig einzusetzen. 
Resilienz (oder psychische Widerstandsfähigkeit) ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und diese mit Hilfe von erlernten Ressourcen, persönlich oder sozial, für die weitere Entwicklung zu nutzen. 
Selbstführung gilt als psychologischer Führungsansatz und wurde vor allem durch die beiden Forscher Charles Manz und Henry Sims geprägt. Dabei ist es das Ziel, Verantwortung, Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Führung flächendeckend in einem Unternehmen sowie bei den Mitarbeitern zu verbreiten und zu unterstützen.

Wie gelingt es nun in Krisenzeiten die eigene Widerstandskraft zu stärken? 
In der Forschung der Resilienz geht man von sieben Faktoren aus, die helfen, diese Kraft zu stärken und weiterzuentwickeln. Diese lauten:

1.    Optimismus
2.    Akzeptanz
3.    Das Verlassen der Opferrolle
4.    Verantwortung übernehmen
5.    Lösungsorientierung
6.    Netzwerkorientierung/ Umfeld
7.    Zukunftsplanung

Jeder kann hier für sich überprüfen, wie gut er oder sie in diesen einzelnen Bereich aufgestellt ist, egal ob im privaten oder beruflichen Kontext. Sobald man feststellt, dass man zum Beispiel im Bereich eigenes Umfeld/Netzwerk nicht gut aufgestellt ist, sollten Schritte geplant und umgesetzt werden, dieses zu stärken und vielleicht auszubauen. Auch die innere Haltung, sei es ein generell optimistischer Blick auf das Leben, oder eine Zukunftsplanung können dazu beitragen, die eigene Resilienz zu stärken. 
Der nächste Schritt kann dann sein, diese Faktoren auch mit der Familie oder dem Team zusammen zu betrachten und festzulegen, was es braucht, um für sich und das gesamte System stabiler zu werden.



Um dann die eigene Selbstführung weiter zu schärfen, hilft es die eigenen Gedanken zu überprüfen und den Fokus anzupassen. Bitte nicht falsch verstehen, es geht nicht darum, sich schwierige Situationen schön zu reden. Sondern vielmehr diese anzunehmen und eingefahrene Denkmuster zu unterbrechen. 
Die Frage „Welche Möglichkeiten ergeben sich für mich aus der Krise?“ oder „Was wurde mir geschenkt, durch diese Zeit?“ können helfen, Perspektiven zu wechseln und sich der eigenen Kraft nochmal bewusster zu werden. Denn es gilt: Nur wer sich selbst gut führen kann, kann auch andere gut führen!

Die eigene Selbstführung betrachtet dabei immer vier Handlungsbereiche:

1.    Gedanken
2.    Emotionen
3.    Verhalten
4.    Körper

1. Gedankliche Selbstführung
Bei der gedanklichen Selbstführung geht es darum, herauszufinden, was wirklich wichtig für einen ist. Das ermöglicht, wie oben schon benannt, den Fokus neu auszurichten und Gedankenmuster zu erkennen. Diese führen oftmals zu Blockaden oder sogenannten Glaubenssätzen, die dann unterbewusst für eine starke Prägung sorgen. 
Durch das bewusstere Wahrnehmen des Denkens entsteht ein gewisser Abstand, der Ihnen immer öfter die Gelegenheit gibt, zu entscheiden, ob Sie auf schwierige Gefühle einsteigen möchten, oder ob es Alternativen gibt.

 So kann ich im Alltag, sei es zum Beispiel im Stau oder beim Warten an der Kasse, klar darüber entscheiden, wie ich die Situation in dem Moment annehme. Ungeduld, Wut und ein sinnloses Hupkonzert oder Wechseln zwischen den Kassen, bringt selten etwas. 
Bemerken ich den aufkommenden Ärger jedoch, haben ich die Wahl: 
Für den Ärger entscheiden, oder vielleicht in Ruhe den Podcast im Auto zu Ende zu hören. Sie entscheiden.

2. Emotionale Selbstführung
Hier geht darum, die eigenen Gefühle in den Griff zu bekommen und sich von negativen Emotionen nicht leiten zu lassen. Dabei liegt der Schwerpunkt auch wieder zuallererst auf der Wahrnehmung der eigenen Emotionen. Grundsätzlich gilt: Emotionen einfach „wegzudrücken“ oder anderweitig zu kompensieren, wird keine Lösung bringen.
Gefühle wollen gefühlt werden, es ist gut Wut, Ohnmacht oder Enttäuschung zu spüren und diese anzunehmen. Sich davon treiben zu lassen ist jedoch nicht das Ziel. 
Es geht also dann im nächsten Schritt darum, diese zu akzeptieren und alternative Verhaltensmöglichkeiten zu finden. Wenn ich merke, dass ich sehr wütend bin und das Gegenüber im schlimmsten Fall vielleicht sogar persönlich treffe, ist es sinnvoller, aus der Situation raus zu gehen und mir „Luft“ zu machen. Dann kann eine Klärung zu einem späteren Zeitpunkt die sinnvollere Entscheidung sein. 

Auch hier gilt: Blicken Sie in Ihrem Fokus auf Akzeptanz und Versöhnung, und zwar die eigene. Weil auch im Nachhinein nur mit sich selbst zu hadern, wird keine Entwicklung bringen. Verzeihen Sie sich Ihren Fehler, es wird helfen, Ihre Vorbildfunktion und Kompetenz als Führungskraft und auf persönlicher Ebene zu stärken.

3. Verhaltensbezogene Selbstführung
Bei dem dritten Punkt geht es um das Verhalten, das für alle Mitarbeiter sichtbar ist. 
Auch, wenn jegliches Verhalten auf die ein oder andere Weise nachvollziehbar ist: nicht immer ist jede Ausdrucksweise angebracht. Verstehen Sie Ihr Verhalten und lernen Sie, es entsprechend anzupassen. Eher sachlich agierende Führungskräfte können so in kleinen Schritten auch ihren Mitarbeitern auf einer etwas persönlicheren Ebene begegnen. Führungskräfte, die oftmals alles auf sich nehmen, können lernen, auch mal Nein zu sagen und klare Grenzen zu ziehen.

4. Körperbezogene Selbstführung
Dieser vierte Bereich bezieht sich auf den Körper, den auch dieser hat Grenzen der Leistungsfähigkeit. Zu wenig Bewegung, Schlaf und schlechte Ernährung sind allesamt Faktoren, die z.B. schnell zu einem Burnout führen können. Es gilt, regelmäßige Pausen und Erholungsphasen zu machen sowie gesunde Rituale und Gewohnheiten aufzubauen, um den Körper auf lange Sicht gesund zu halten.
Das Arbeiten an der eigene Resilienz und Selbstführung führt also zu einer Kompetenzerweiterung, sei als Führungskraft oder im privaten. Besonders die folgenden Eigenschaften entwickeln sich dabei weiter:

•    Flexibilität: Sie können besser mit Veränderung umgehen und dementsprechend reagieren
•    Effektivität: Es fällt Ihnen leichter, eigene Ziele zu erreichen
•    Motivation: Sie haben oftmals neue und mehr Kapazitäten für die Umsetzung von Aufgaben und Dingen. Das hilft wiederum bei der Zielerreichung
•    Führungskompetenzen: Sie werden durchsetzungsstärker und bleiben auch in herausfordernden Zeiten handlungsfähig, ob im beruflichen oder privaten Umfeld
•    Vorbildcharakter: Wer als gutes Beispiel vorangeht, kann andere eher begeistern und wirkt authentisch
 Entspannung: Ihr Wohlbefinden steigt, da Sie ruhiger und gelassener sind

Natürlich ist das Arbeiten an der eigenen Resilienz und Selbstführung kein Allheilmittel. Allerdings sind es erste wichtige Schritte, sei es für den Umgang mit schwierigen Zeiten als auch für die persönliche Entwicklung. Jedes richtige Führungshandeln beginnt mit Selbstführung und Selbstreflexion. Es geht um Leadership, Balance, zuhören und sich selbst zurücknehmen können und dem Wissen, sich diesen Themen immer wieder zu stellen 
Offen und ehrlich mit sich selbst zu sein und auch bei den unangenehmen Dingen nicht auszuweichen.

Für die weitere Zukunft, ob im privaten oder im Unternehmen, bedeutet das vor allem eins: 
Wir brauchen mehr Mut zur Selbstführung, zur Selbstreflektion, zum Vorbild sein und zur Umsetzung. Gute Selbstführung bedeutet Disziplin, Ehrlichkeit, Agilität, Neugier, Offenheit, Verantwortungsübernahme und Empathie und nein, nicht jede Führungskraft oder jedes Teammitglied ist direkt dafür geschaffen. 
Aber man kann diese Dinge auf den Weg bringen und fördern. Und damit die eigene Unternehmenskultur zukunftsfähiger und nachhaltiger gestalten – in Zeiten von mehr Homeoffice und der Verbindung zwischen der digitalen Welt und dem Menschen wichtiger denn je.



Inwiefern sich dies auf die Unternehmenskultur ausweitet und warum diese in Zukunft noch wichtiger werden wird, darüber mehr im 3. Teil.

Bleiben Sie gesund und bis bald wieder,

Viola Pawelczyk

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